Ich muss zugeben, dass ich zunächst etwas skeptisch war, als mein Kollege und T3N-Chefredakteur Jan Christe letzte Woche bei mir nachhakte, ob wir uns nicht das neue Rechenzentrum von Host Europe anschauen wollen. Als technischer Geschäftsführer bin ich bei marketinglastigen Veranstaltungen wohl grundsätzlich etwas zu vorsichtig. Ein Blick auf die Agenda des Pressetags stimmte mich jedoch auch inhaltlich zuversichtlich.

Unter dem Motto "Ein Blick ins Rechenzentrum 2.0" lud die als Business-Provider bekannte Host Europe GmbH am vergangenen Donnerstag zu einem Pressetag in ihr neues Rechenzentrum am Standort Köln ein. Im Mittelpunkt: Ökologie und Ökonomie am Beispiel des neuen Rechenzentrums.
Neben dem Höhepunkt des Pressetags - einer Führung von Patrick Pulvermüller (CTO Host Europe GmbH) durch das neue Rechenzentrum - gab es einen initialen Vortrag von Uwe Braun (CEO Host Europe GmbH) zur Geschichte der Firma sowie einige Gastvorträge zu den Themen Virtualisierung, Server-Hardware und Zertifizierung von Rechenzentren.
1. Fakten zum Rechenzentrum
Bauzeit: 7 Monate
Fläche: 2.500 qm Rechenzentrum-Grundfläche (3 Serverräume) und 2.500 qm Bürofläche
Platz: bis zu 18.000 Server in der Endausbaustufe (6.000 bei Eröffnung)
Anbindung: multiredundanter, Carrier-neutraler 16-Gbit-Internet-Backbone
Ausfallsicherheit: Redundante Stromzuführung, n+1 USV, n+1 Klimatisierung, je ein Diesel-Notstromaggregat mit je 2.000 KVA Leistung pro Serverraum, Argon-Feuerbekämpfungsanlage mit Feuerfrühmeldesystem, Alarm- und Brandmeldezentrale, Personenzutrittskontrolle und Kameraüberwachung
2. Klimatisierung und Energie-Optimierung
Schaut man sich die Zahlen zum neuen Rechenzentrum einmal genauer an, fallen folgende energiebedarfoptimierte Merkmale ins Auge:
- Gebäude-Isolation nach EnEV 2007
- moderne Klimatechnik mit stufenlos regelbaren EC-Ventilatoren
- warme und kalte Gänge in den Serverräumen
- Klimatechnik der Serverräume versorgt Bürofläche mit Abwärme (Winter) bzw. Kühlung (Sommer)
- hoher Doppelboden mit durchdachter Luftführung
- Nutzung der Außentemperatur durch "freie Kühlung"
- USV-Systeme mit Delta-Wandler-Technologie
3. Server-Hardware
Neben den baulichen Neuerungen wird nach Angaben von Host Europe verstärkt darauf geachtet, modernste Prozessoren-Technologien in Verbindung mit Virtualisierung einzusetzen. Auf Serverseite kommen hier vor allem 1HE-Server der Firma Dell zum Einsatz, die in der EnergySmart-Version bei nahezu gleicher Leistung weniger stromhungrig sein sollen. Auch hier wurde vor allem an Kühlung und Stromzufuhr gedreht: In diesen Servern kommen Netzteile mit besserem Wirkungsgrad sowie Low-Voltage Prozessoren zum Einsatz. Hier scheint es jedoch weitere Optimierungsansätze zu geben. So fragt man sich bei einer geplanten Endausbaustufe von 18.000 Servern, ob es wirklich sinnvoll ist, jeden Server mit einem eigenen Netzteil auszustatten, anstatt auf Herstellerseite die relativ verlustbehaftete Umwandlung von Wechselstrom in den vom Mainboard des Servers benötigten Gleichstrom an zentraler Stelle zu optimieren.










