Barcamp Stuttgart – Tag 2 und Fazit

Jan Tißler, 29.09.2008 - 12:35 | 3 Kommentare |  |  Teilen

Mit ein wenig Verspätung hier noch meine Eindrücke vom zweiten Tag des Barcamp Stuttgart. Eins kann ich schon verraten: Es ging so klasse weiter, wie es angefangen hatte. Bei der Planung der Sessions rief Johannes Kleske kurzerhand die "Qualitätsoffensive Barcamp-Sonntag" aus - denn sonst kann es gelegentlich vorkommen, dass sich alles am Samstag ballt, während es am Sonntag deutlich ruhiger zugeht. Beim Barcamp Stuttgart war davon nichts (oder: wenig) zu merken.

Neuerungen bei Google AdWords, Einführung zu Open Street Map, Tipps für den richtigen Umgang mit schwierigen Kommentaren und Kommentatoren, sowie eine Session von Roman "Yoda" Hanhart zu "Entschleunigung" standen auf meinem Zettel und alle waren auf ihre Weise spannend.

Google AdWords

Für viele in der AdWords-Sessions war es ein erhebliches Aha-Erlebnis, wie genau man inzwischen seine Werbung auf Google und auf den per AdSense angeschlossenen Websites schalten kann. Ganz nebenbei eignet sich ein AdWords-Account so auch dazu, Daten über die Konkurrenz zu sammeln, sofern die AdSense einsetzt. Denn ungefähre Zugriffszahlen sind darin ebenso zu finden wie alle für AdSense reservierten Werbeplätze. Auf einigen Websites kann inzwischen auch in Deutschland für bestimmte Zielgruppen (Beispiel: "Frau, zwischen 25 und 35") geschaltet werden.

Open Street Map

Open Street Map wiederum ist ein faszinierendes Projekt, das sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt hat. Hier entsteht eine frei verfügbare Karte der Welt, erstellt von Freiwilligen. Karten sind für viele Vorhaben wichtig, aber oftmals unbezahlbar. Wer heute allerdings sein Geschäft allein auf Landkarten aufbaut, sollte sich schleunigst nach anderen Geschäftsfeldern umsehen: Die Open Street Map wächst explosionsartig. Eine praktische Anwendung ist beispielsweise die Bikemap von Peter Eich. Viele der erfassten Informationen werden derzeit allerdings gar nicht dargestellt. Denn das Erstellen (Rendering) der Karten aus den Daten ist ebenso wie das Bereitstellen im Internet mit erheblichen Kosten verbunden. Wie automatisch kam daher auch die Frage: Hat Google denn daran nicht Interesse? Schließlich hat der Such-Gigant die entsprechenden Kapazitäten und muss sein Kartenmaterial heute noch teuer einkaufen.

Kommentarmoderation

Einen interessanten Erfahrungs- und Meinungsaustausch gab es zum Thema Kommentarmoderation. Wie verhält man sich am besten? Leitet man die Diskussion aktiv, lässt man sich die Community selbst regulieren oder löscht man rigeros? Einen Stein der Weisen hatte dazu allerdings niemand im Gepäck. Eine kontroverse Debatte gab es auch dazu, ob man manuelle Kommentarspammer an einen öffentlichen Pranger stellen oder auf andere Weise ausbremsen sollte - in dem man sich beispielsweise mit dem Hoster eines spammenden Shops in Verbindung setzt. Auf den ersten Blick eine gute Idee, aber wie will man Missbrauch verhindern? Sollte es einen solchen öffentlichen Pranger geben, könnte natürlich ein Shop-Besitzer einen Konkurrenten in Misskredit bringen, in dem er in seinem Namen in Blogs spammt. Eine endlose Geschichte. Webspam an sich bekam sogar eine eigene Session.

Entschleunigung

Und während sich im Internet alles immer schneller dreht und während mancher Hype inzwischen nur noch wenige Minuten dauert, drehte sich in einer Session alles um "Entschleunigung" - im Privatleben, aber auch am Arbeitsplatz, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft. Oftmals werde Betriebsamkeit mit Effektivität, Hektik mit Leistung verwechselt. Man gibt sich beschleunigt, um den Erwartungen zu entsprechen und verzettelt sich währenddessen. Das waren nur einige wenige Punkte des Austauschs. Kontrovers diskutiert wurde dabei auch das Buch "Die 4-Stunden Woche" von Tim Ferriss. Darin zeigt er auf, wie er mit verschiedensten Methoden alles in seinem Leben eleminiert, was ihn nicht voranbringt. Effektiv arbeitet er nach eigener Aussage nur noch vier Stunden pro Woche und erreicht genau so viel wie vorher. Das kann nur funktionieren, da er viele Aufgaben bspw. an billige Hilfskräfte in Indien auslagert oder E-Mails und Telefonanrufe nur in Ausnahmefällen direkt und persönlich beantwortet.

Fazit

Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus den Notizen. Gar nicht mitgezählt sind hier die interessanten Gespräche zwischen den Sessions und am Abend. Einiges davon wird sich in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten noch bei T3N wiederfinden.

Ein großes Dankeschön an die Organisatoren des Barcamps und alle Barcamper: War ein geniales Wochenende, die Anreise von Hannover hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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3 Antworten zu “Barcamp Stuttgart – Tag 2 und Fazit”

  1. #1 Jan Theofel

    Schon alleine bei dem Bild müsste man einer IT-Firma mit zwei Buchstaben im Nachhinein noch Geld abknöpfen. :-) Die Kritik mit den zusätzlichen Räumen ist angekommen und wird beim nächsten #bc0711 definitiv berücksichtigt. Wir haben schon einige größere Locations im Auge.

  2. #2 Jan Tißler

    Klasse. :-) Aber als "Kritik" würde ich das nicht sehen, eher als "Idee, wie man das so weit verbessern kann, dass es beinahe unverschämt perfekt ist" ;-)

  3. #3 Jan Theofel

    Genau darum brauchen wir die Räume ja auch. Denn erst wenn wir noch besser sind als "beinahe unverschämt perfekt" bin ich nächstes Jahr dann auch zu frieden. :-)